Dienstag, 17. Mai 2011

Tucker & Dale vs. Evil

Wirklich hinreißend witzige Horror-Komödie gesehen dieses Wochenende.





Und die ging so: Eine Horde College-Kids will sich mit einer Menge Bier und ein bisschen Gras ein schönes Wochenende in einer einsamen Blockhütte in den Wäldern machen. Nur leider wird die Gruppe von zwei psychopathischen Hinterwäldlern verfolgt und einer nach dem anderen dahingemetzelt - glauben die College-Kids zumindest. Denn wie wir alle haben die Kids einfach nur zu viele Horrorfilme gesehen. Die Hillbillies Tucker und Dale sind gar nicht hinter ihnen her, sondern sehen einfach nur etwas scheel aus, sind ein bisschen schüchtern - und einfach nur immer zur falschen Zeit am falschen Ort.

Das Chaos nimmt seinen Lauf, und bald heißt es versnobbte College-Kids gegen harmlose Hillbillies. Ein recht blutiger, unglaublich unterhaltsamer Streifen mit schrägem Humor, bescheuertem Splatter, guten Darstellern und einer gar nicht mal so nervigen Anti-Vorurteile-Botschaft.




Fun times!

m.

Zitat des Tages







"A prayer for the wild at heart, kept in cages."


Tennessee Williams


Tirade des Tages - Booing-Edition

Früher oder später liest man das immer, wenn gerade irgendwo ein Film-Festival stattfindet: Der Film X des Regisseurs Y wurde ausgebuht. So gerade geschehen in Cannes mit dem Film Tree of Life von Terrence Malick. Ich habe den Film nicht gesehen, weiß also nicht, ob ich ihn mag oder nicht. Dennoch habe ich ein - gelinde gesagt - Problem mit Menschen, die sich hinstellen, und ein Kunstwerk ausbuhen, weil es ihnen persönlich nicht gefällt. Genau genommen würde ich besagte Leute gerne mal so richtig in die Mangel nehmen. Oldschool, Bud-Spencer-Style. Mit Die-Köppe-an-einander-schlagen-dass-et-scheppert und so.




Man kann über Geschmack streiten, und Kunst lebt davon, dass man das tut. Wenn einem etwas, an dem jemand mit Herzblut gearbeitet hat, in das er Kreativität, Enthusiasmus, seine Ideen und nicht zuletzt auch seine Zeit investiert hat, nicht gefällt, dann kann man das Ergebnis natürlich kritisieren, wenn man gerne möchte, klar.

Aber sich hinstellen und "Buh!" schreien? Ähem.
Es ist zwar die hohe Kunst des Journalismus und so sicherlich auch des Kritikertums, komplizierte Sachverhalte kurz, knapp und allgemein verständlich zusammenzufassen. Aber eine einzelne Silbe? Ist das nicht doch ein bisschen sehr einfach? Um nicht zu sagen - naja... popelig??!





Kluge Künstler mit einem dicken Fell freuen sich wahrscheinlich über Buhrufe. Denn wenn sich ein kultivierter Mensch zu einem derart erbarmungswürdigen Verhalten hinreißen lässt, dann muss ihn das Gesehene ja zumindest irgendwie berührt haben. Dennoch: Ich persönlich finde Ausbuhen widerlich, insbesondere im Zusammenhang mit Kunst. Das ist so eine Unart, von Kunst persönliche Befriedigung zu erwarten, als wäre ein Theaterstück/Film/wasauchimmer eine Nutte, die einem jeden Wunsch von den Augen ablesen muss. Ich habe Eintritt gezahlt, now fucking blow me! Warum muss immer alles fertig, glatt und gefällig sein? Warum darf nichts Werden, Prozess, unfertig sein? WARUM MUSS IMMER ALLES PERFEKT SEIN? Haben wir alle zu oft Germany's Next Topmodel geguckt?




Was mich insbesondere besorgt ist Folgendes: Die Leute, die da in Cannes "Buh!" geschrien haben, sind kulturell (wie wahrscheinlich auch kulinarisch) überfressene alte Journalistensäcke und Filmfuzzis, die vermutlich fast ausschließlich vor 1970 geboren wurden und diese ganzen Menschenwürde-Vernichtungs-Formate wie Deutschland sucht den Superstar, X-Factor, Dschungelcamp und Co gar nicht kennen.

Wie werden denn die Kids, die mit diesen Formaten aufgewachsen sind, mit Künstlern umgehen, die ihnen etwas Eckiges präsentieren, das nicht in das Runde passt, das sie aus dem Fernsehen gewohnt sind?

Man kann natürlich auch so argumentieren: Buhen und Auspfeifen sind alte Phänomene. Und Fräulein Vega sollte sich nicht so aufregen. Ist richtig. Das Ausbuhen kam schon zur Zeit der Gladiatorenkämpfe im alten Rom vor. Da entschied das Publikum durch lautstarke Meinungsäußerung mit, wer leben und wer sterben sollte. Traditionsreich und voll harmlos also, das Buhen. Oh, wait.

Naja. Wahrscheinlich sollte ich den Buhrufern mit mehr Empathie begegnen. Sie haben offensichtlich so wenig Kontakt zu ihrer eigenen künstlerischen Seite, dass sie die Wunden, die sie schlagen, nicht nachvollziehen können. Außerdem ist es doch völlig klar, dass der Buhrufer an sich unter Erektionsproblemen, chronischer Verstopfung, unterentwickelten Genitalien und fauligem Atem leidet und deswegen so mies drauf ist.

Vielleicht sollte ich ihm also in Zukunft mit mehr Verständnis begegnen. Ha!


m.

Montag, 16. Mai 2011

Zitat des Tages







"I must down to the sea again, for the call of the running tide Is a wild call and a clear call that may not be denied."


John Masefield


Donnerstag, 12. Mai 2011

Glorreiche Gesichtsbaracken oder: The Expendables

Leider komme ich jetzt erst dazu, diesen großartigen Film, der mir die Osterfeiertage doch sehr versüßt hat, zu empfehlen.

The Expendables ist wunderbares Hau-Drauf-Kino mit all den Action-Fressen, die man in diesem Zusammenhang sehen möchte. Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, der (unglaublich verfallene) Dolph Lundgren, Mickey Rourke... ja, sogar Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger in Cameos.

Die Geschichte ist total egal, es wird super viel in die Luft gejagt und geschossen und geprügelt, das ist aber zu keiner Zeit so brutal oder explizit, dass ich hätte weggucken müssen. Nur an einer Stelle habe ich mir die Hand vor's Gesicht gehalten. Da musste man nämlich kurz Angst haben, dass Gesichtsbaracke numero uno, Sly Stallone, versuchen könnte, die schöne Frau zu küssen, die er gerade gerettet hatte. Das entlockte mir dann doch einen angstvollen Kiekser. Aber ansonsten: ein 1a Feel-Good-Movie à la Reagan-Ära.

Da gibt es keine komplizierten Psychologien, keine vertrackten Zusammenhänge, keine Interdependenzen. Die Möglichkeit, dass die somalischen Piraten vielleicht nur arme Fischer sein könnten, die durch die Umstände irgwndwo gezwungen sind, zu handeln, wie sie handeln, existiert gar nicht. Nein, sie sind gewissenlose Monster, die man zur Strecke bringen muss. Ebenso wie Diktatoren - die müssen auch zur Strecke gebracht werden. Und wenn man das gemacht hat, ist alles wieder gut. Es gibt keine tiefer gehenden Strukturen, es müssen keine dauerhaften Lösungen gefunden werden, keiner braucht Diplomatie und Abstriche und Kompromisse. Die Bösen sind wirklich böse. Die Guten sind wirklich gut. Und man weiß immer, wer wer ist.



Für jeden, der regelmäßig die Nachrichten verfolgt und das sonst manchmal gar nicht mehr so leicht trennen kann, das mit Gut und Böse, Richtig und Falsch, der begreift, wie fucking KOMPLIZIERT alles ist, den wird ein Film wie The Expendables nicht nur unterhalten und erheitern, sondern auf den wirkt der wie eine mehrwöchige Ayurveda-Kur. Eine Pause von den Komplikationen der Realität.

m.

Snow Falling on Cedars

Mein Freund war auf'm Flohmarkt und hat mir gleich einen ganzen Schwung Bücher mitgebracht. Habe mir direkt eines rausgegriffen und drauf los gelesen.

Zunächst im Angebot: Schnee, der auf Zedern fällt des amerikanischen Autors David Guterson. Ein hoch literarischer Krimi, der in den 90ern erschienen ist und natürlich längst eine Kino-Auswertung erfahren hat. Die kenne ich persönlich nicht, aber das Buch habe ich in ein paar Tagen weggelesen.




In einem kleinen Nest an der amerikanischen Küste wird ein Fischer ertrunken in seinem eigenen Netz gefunden. Eine Kopfverletzung deutet darauf hin, dass es Mord war. Bald wird ein Verdächtiger verhaftet, der der japanischstämmigen Minderheit angehört, der gegenüber viele "weiße" Bewohner des Ortes massive Ressentiments hegen. Ishmael Chambers, der in dem zur Zeit des Prozesses völlig eingeschneiten Örtchen eine Zeitung betreibt, versucht, die Wahrheit herauszufinden. Der Angeklagte interessiert ihn aber nicht nur aus professioneller Neugier - ist dessen Frau Hatsue doch Ishmaels unvergessene Jugendliebe.

Das Buch springt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und integriert historische Hintergründe (beispielsweise über die Internierung japanisch-stämmiger Amerikaner in Arbeitslagern nach dem Angriff auf Pearl Harbor), Themen wie Schuld, Vergeben und die ewige Fremdheit des anderen in eine spannende Krimi-Handlung.

Kein Page-Turner, aber gutes Lesefutter. Wobei ich froh bin, dass ich das Buch nicht im jahreszeitlich passenderen Winter gelesen habe. Da hätte ich davon vermutlich Depressionen bekommen. Ist die Moral von der Geschicht' doch, dass wir uns alle fremd sind und daran nichts zu ändern ist. Dass jeder sein Päckchen allein tragen muss. Im Frühling aber ging's. Daumen hoch!


m.

Montag, 2. Mai 2011

Buried

Beklemmend, fesselnd, atemberaubend und ein gelungenes flimisches Experiment - das alles ist der Film Buried.

Nun bin ich ja von Natur aus ein begeisterungsfähiges Mädchen und schmeiße mit Superlativen um mich wie ein Ninja mit Wurfsternen. Mir ist klar, dass sich das irgendwann abnutzt. Aber ich möchte allen Filmen anspruchsvoller Handlung versichern: Ich übertreibe nicht. Buried ist wirklich so gut.

Die Handlung: Ein amerikanischer Lastwagenfahrer (Ryan Reynolds) wurde im Irak gekidnappt und eingesperrt. Er hat 90 Minuten Zeit, um eine Million Dollar zu organisieren, sonst soll er sterben. Seine einzigen Hilfsmittel bei dieser Mission Impossible: ein Handy mit schwachem Akku und eine Lampe. Beides kann er gut brauchen. Denn, der Clou: Der Protagonist wurde nicht etwa in einen Raum gesperrt, sondern er befindet sich in einem Sarg. Eingebuddelt. Six feet under. Der ganze, 90-minütige Film spielt sich in eben diesem Sarg ab, und wird allein von Reynolds getragen.

Das nenne ich mal Einheit von Raum und Zeit! Erstaunlicherweise baut die Regie in diesem klaustrophobischen Szenario unglaubliche Spannung auf, während wir dem Protagonisten dabei zusehen, wie er verzweifelt versucht, den Entführer hinzuhalten, seine Regierung dazu zu bringen, ihm zu helfen, und - schlicht und einfach - in dem Sarg nicht durchzudrehen. Ein beeindruckendes Drehbuch, eine geniale Regieleistung, tolle Kameraführung (coole, lange Kamerafahrten - in einem SARG!!!) und ein toller Hauptdarsteller. Wow!



m.